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Gepostet on 15.07. 2012 in Referenten

Markenbildung und professionelle Deformation

Sweelin Heuss war eine unserer Referentinnen auf dem jüngsten LearnTank in Berlin. Und wir hatten Euch ein Interview mit Ihr rund um Markenbildung und -führung versprochen. Hiermit eingelöst:

1. Stelle Dich bitte kurz vor. Wer bist Du und was machst Du, außer gerne neuerdings zu Bloggen und leckere Rezepte zu posten?

Ich bin freie Kommunikationsberaterin und unterstütze Kunden in der Konzeption von PR- bzw. Marketingstrategien oder in der Projektleitung bis hin zum Interimsmanagement als Leiterin Unternehmenskommunikation. In den meisten Fällen holen mich die Auftraggeber direkt ins Unternehmen. Das ist informell und prozessseitig der beste Weg, um schnell erfolgreich zu arbeiten. Nehmen wir zum Beispiel Online-Krisenkommunikation: hier ist der Faktor Zeit ja entscheidend.

Damit sind wir fast bei Deinem Thema: An Blogs interessiert mich besonders die Verknüpfung zwischen der Persönlichkeit des Bloggers mit seinen Inhalten. Die Blogosphäre wird damit zu einer Art „dritter Weg“ für PR und klassischen Journalismus. Und mit ihr werden die klassischen Formen des Schreibens neu zusammengesetzt. Da mischt sich die Nachricht mit der Reportage, dem Feature, der Glosse und dem Meinungsbeitrag, dass es nur so eine Freude ist.

Und damit sind Blogs meines Erachtens dazu geschaffen, um im besten Fall alte Wände des Meinens und Denkens einzureissen und neues Wissen zu ermöglichen. Aber ich möchte hier nicht philosophisch werden…Ich selber blogge auf richtigesleben.wordpress.com ganz zu meiner eigenen Freude und Zerstreuung über alles Mögliche. Und jetzt habe ich schon wieder ein schlechtes Gewissen, weil ich längst einmal wieder etwas posten wollte.

2. Wenn Du manch ein Blog mit Potential siehst, kommen Dir da manchmal nicht die Tränen ob der mageren oder nicht vorhandenen Markenschärfung?

Eigentlich gar nicht, denn Blogs können total contentgetrieben sein ohne jeden Brandingansatz und performen über die Inhalte oder sie sind richtig aufgerüstet und dann hat man natürlich auch etwas zu schauen und merkt sich das genauer.

Es kommt immer auf die Intention des Bloggers an: Wenn er schnell und nachhaltig Reichweite aufbauen und sich auch als Person über den Blog verkaufen will bzw. Monetarisierungsabsichten hat, dann sollte er schon über Markenbildung nachdenken. Aber wie gesagt: Das ist immer eine Frage nach dem, was ich mit dem Blog bezwecken will.

3. Wozu benötigt ein Blog überhaupt eine Art von Markenbildung? Ist das nicht nur großen Firmen vorbehalten? Glaubst Du, dass ein Blog mit mehr Bewusstsein für Markenbildung im Wettbewerb um Leser die besseren Karten hat?

Da kommen wir zur Theorie: Grundsätzlich kann alles und jedes zur Marke werden und wenn Du nach Wettbewerb fragst: „Wer oder was immer in Konkurrenz zueinander steht, ist eine Marke“. Ob ein gut gebrandeter Blog auch toll performed hängt dann wieder von der Sparte ab in der ich blogge. Modeblogger haben hier sicher die Nase vorn, ein erfolgreicher IT-Blogger kann auch ohne explizite Markenbildung erfolgreich sein. Von Nachteil ist es natürlich nie, es sollte aber gut gemacht sein.

Markenbildung ist nicht nur Unternehmen vorbehalten. Jeder Blog kann eine (Produkt-)Marke werden. Aber auch der Blogger kann eine Marke sein, indem er Werte, Eigenschaften bzw. Botschaften vermarktet, auf die hin er reduziert werden kann. Alleine durch die Schaffung einer eigenen Plattform hat ein Blog das Potential für eine Marke – im Gegensatz zur Partizipation in Sozialen Netzwerken oder Foren und Communities. Diese exemplarische Herangehenweise via Blog bietet damit die Möglichkeit für Branding. Um es mal so auszudrücken: Es gibt keine bessere Möglichkeit sich im Netz als Marke zu positionieren als der Blog.

4. Kannst Du uns erklären, wie ein Blogger am besten grundsätzlich an das Thema herangeht „wie wird mein Blog zu einer Marke“? Worauf muss der Blogger dabei achten? Was sind die Eckpunkte?

Er sollte sich folgende Fragen beantworten: Zuallerst: wie schreibe ich, welche Tonalität hat mein Blog? Wie heisst mein Blog? Gebe ich ihm einen Kunstnamen, arbeite ich mit meinem Namen oder gebe ich mir eine falsche Identität (Pseudonym). Wie kann ich das, was ich blogge, auf einen kurzen knackigen Claim reduzieren? Und zuletzt: Wie designe ich meinen Blog? Magazinig bildlich, textlastig, poppig oder eher nüchtern?

5. Gibt es gute Bücher zum Einstieg? Oder Webseiten?

Persönlich finde ich Inspirationen über das Netz besser als Bücher und Infoseiten. Je mehr man Blogs verfolgt, desto besser und angemessener kann man seinen Blog anlegen und führen. Und das ist ja ohnehin work in progress.

6. Kennst Du Beispiele im deutschen Raum, wo Du meinst, das Blog hat es markentechnisch bewusst gut gemacht?

Meine Blogfavoriten sind: Carta, Kraftfuttermischwerk, Richard Gutjahr, Les Mads und, um ein nicht-deutsches Beispiel zu nennen, The Sartorialist.

7. Woran hast Du markentechnisch bei Deinem Blog gedacht? Wie hast Du es umgesetzt?

Wie gesagt ist mein Blog eine private Spielerei und ich habe da nix Konzeptuelles aufgesetzt. Aber natürlich habe ich beim Namen, Header, Claim, Thema ein bischen nachgedacht. Wäre ja auch peinlich, wenn ich ein paar Regeln nicht beachtet hätte. Soviel professionelle Deformation muss sein…